Heidi Warncke

Der Schau- und Lehrgarten der Grundschule Gunzenbach

Aus: Unser Kahlgrund. Heimatjahrbuch 2009, S.126-129

Eine Idee

Vor etwa 10 Jahren hat sich die Grundschule das Ziel gesetzt, eine Naturerlebnisschule zu sein, d. h. dass wir in vielen Bereichen weit über den Lehrplan hinaus die Schüler mit der Natur vertraut machen und Freude daran vermitteln wollen.

Die Lage unserer Schule am Ortsrand ist dafür gut geeignet, die Schulanlage war es jedoch überhaupt nicht: Betonpflastersteine auf dem gesamten Pausenhof, eine hohe Stützmauer, eine Wiese, die nicht betreten werden durfte, ein alter Holunder und eine Felsenbirne, die wir seit Jahren fleißig abernten, einige Vogelbeerbüsche, Rhododendren, sowie je ein Apfel-, Kastanien- und Walnussbaum.

Die Gelegenheit zu ersten Änderungen war 1999 eine Verkleinerung des gepflasterten Pausenhofes durch einen Vereinsbau: Die Wiese wurde in einen naturnahen Pausenhof mit einigen selbst gebauten Spielmöglichkeiten, einem Feuerplatz und einem Pavillon umgestaltet. Ein grünes Klassenzimmer wurde mit etlichen Pflanzen umrahmt, darunter einige schöne Rosenbüsche und eine Korkenzieherweide. Begrenzt wurde der neue Pausenhof durch eine Anpflanzung von verschiedenen Ziergehölzen. Außerdem entstanden eine Kräuterspirale mit einem kleinen Wasserbecken, eine Naschecke mit Johannisbeerbüschen und Walderdbeeren sowie  ein Komposthaufen.

Bei diesen Maßnahmen konnte uns die Gemeinde finanziell nicht unterstützen, wir haben durch Feste und einige kleinere Spenden alles selbst finanziert und gemeinsam mit Eltern, Schülern und Vereinshilfe gebaut und angelegt. Die Einbindung der Schüler war uns von Anfang an sehr wichtig. So waren bei vielen Arbeiten sogar schon Vorschüler dabei, um für „ihre“ Schule etwas zu tun. Dadurch ist uns eine starke Bindung der Schüler zu ihrer Schule und ihrem Garten gelungen, eine wichtige Voraussetzung für umsichtigen Umgang und Benutzung der Anlage auch am Nachmittag und Abend durch Jugendliche, wie wir es seit Jahren erleben.

Eine Wegverlegung durch die Flurbereinigung vor etwa acht Jahren vergrößerte unser Gelände ein wenig und verhalf uns zu einigen alten Apfelbäumen, eine gute Gelegenheit für ein Apfelprojekt. Eine Woche lang drehte sich der Unterricht hauptsächlich um Apfelernte, Verarbeitungsmöglichkeiten von Äpfeln und das Erstellen einer großen Apfelausstellung.

Aber auch sonst nutzen wir jede Gelegenheit, uns mit der Natur zu beschäftigen. Viel brauchen wir dafür nicht:

  • Löwenzahnblüten für ein überdimensionales Sonnenbild und zur Herstellung von Löwenzahnblütenhonig
  • Blätter und Baumfrüchte zum Gestalten von Naturbildern
  • Steine, Sand, Rinde, Zapfen … für das Anlegen eines Fühlpfades
  • Baumschnitt und abgestorbene Äste zum Erstellen einer Benjeshecke, benannt nach dem Gärtner Hermann Benjes. Er hatte die Idee, aus Totholz einen natürlichen Zaun anzulegen. Dieser Zaun begrünt sich selbst und bietet vielen Tieren Schutz und Nahrung.
  • Beeren von unseren Holunderbüschen für eine leckere Marmelade
  • Weidenruten zum Bau eines Weidenhäuschens, das in den Pausen, in der Mittagsbetreuung, aber auch als Vorlesehöhle gerne genutzt wird.

Lageplan

Vor drei Jahren ist es uns gelungen, einen lang gehegten Plan zu verwirklichen, die Anpflanzung von heimischen Gehölzen entlang des etwa 30 Meter langen Weges. Das ist unser „Gunzenbacher Knick“ eine Heckenbezeichnung, die in Norddeutschland üblich ist.

Wir wollten nicht nur Heckenpflanzen, die wir für den Unterricht benötigen, sondern möglichst alle, auch fast vergessene heimische Büsche, um auch erwachsenen Naturliebhabern Anschauungsobjekte zu bieten. Bei dieser Anpflanzung geht es nicht um Schönheit, sondern um Information.

Für diese Idee, aus unserem Schulgelände einen Schau- und Lehrgarten zu machen, konnten wir einige Naturliebhaber gewinnen, mit deren Unterstützung unser Garten nicht nur eine Bereicherung für unsere Naturerlebnisschule, sondern inzwischen auch ein stark frequentiertes Ziel für Pflanzenfreunde ist und eine Bereicherung nicht nur für die Schule, sondern auch für den  Ort darstellt.

Unser Schau- und Lehrgarten-Team sind Frau Dr. Dericks-Tan (Tel. 06023/4477), Frau Doktor Roswitha Raufuß (06023/6179) und Frau Gabriele Vollbrecht (06023/32215). Sie haben den Garten um etliche Pflanzbereiche erweitert, kümmern sich um Informationsblätter, Beschilderung, Herstellung und Verkauf von Wildobstmarmeladen und Rosenkarten. Natürlich unterstützen sie uns auch bei der Pflege und bieten Führungen für interessierte Naturfreunde an.

Unterricht im Freien. Die Vorleseecke.

 

Eröffnet wurde unser Garten im Beisein von Landrat Dr. Reuter und Herrn Bürgermeister Reinhold Glaser im Juni 2005. Unterstützt haben uns der Gewerbeverein Mömbris und örtliche Firmen, v. a. die Gärtnereien Kern und Albert.

Der Schau- und Lehrgarten der Grundschule heute

Mittlerweile ist unser Garten auf 20 Pflanzbereiche angewachsen. Sie gruppieren sich um unsere Gebäude und den Pausenhof.

Besonders zu erwähnen sind

  • die nahezu 100 verschiedenen Rosensorten auf dem Rosenhang, dem Wildrosenpfad und in weiteren Pflanzbereichen, darunter viele historische Rosen mit wunderbarem Duft
  • das Arboretum mit zum Teil sehr seltenen Gehölzen, die wir von verschiedenen botanischen Gärten geschenkt bekommen haben
  • das Sumpfbeet, das eine 2. Klasse ganz alleine angelegt hat
  • unser Sandbeet, eine Gemeinschaftsarbeit aller Schüler, die mit einer Eimerkette eine LKW-Ladung Sand über eine Böschung transportiert haben
  • unsere erweiterte Naschecke - die bereits vorhandenen Johannisbeerbüsche wurden durch etliche andere essbare Beerensträucher ergänzt, inzwischen 80 Arten bzw. Sorten
  • unsere Märchenecke, in der hauptsächlich Rosen mit dem Namen von Märchen zu finden sind, so z. B. Bremer Stadtmusikanten, Cinderella, Gebrüder Grimm, Schneewittchen usw.
  • Musik im Grünen - hier sind Rosen und Stauden zu finden, die den Namen von Komponisten oder Musikstücken tragen
  • Weitere Pflanzbereiche neben bereits erwähnten sind Steingartenhügel, Blütenhang, Kletterpflanzen, Rhododendron-Garten, wärmeliebende Pflanzen.

 

Die zweite Klasse legt ein Sumpfbeet an.                                   Heuernte

Nachdem unser Schulgarten schon seit zehn Jahren intensiv für den Unterricht genutzt wird, bieten sich seit der Erweiterung vor drei Jahren inzwischen natürlich noch mehr Möglichkeiten.

Jedes Jahr gibt es ein Herbstfest, das nur im Garten stattfindet. An diesem Tag arbeiten wir mit Unterstützung von Eltern im Garten. Natürlich gibt es dabei Verpflegung direkt aus dem Garten: Apfelkuchen, den die Schüler selbst backen, Most, Marmelade von unserem reichlich vorhandenen Wildobst und Brotaufstriche mit Kräutern aus der Kräuterspirale. Am Feuerplatz werden Würstchen, Stockbrot und die geernteten Äpfel gebraten.

Für den Naturkundeunterricht haben wir vieles direkt vor der Tür: die Frühlingsblumen, die Heckenpflanzen und seit diesem Jahr auch ein Wiesenstück, auf dem bereits jetzt viele verschiedene Gräser und bereits einige Blumen wachsen. Bei der ersten Mahd mit der Sense im Juni waren die Erstklässler dabei. Ich selbst habe übrigens dabei zum ersten Mal in meinem Leben eine Sense in der Hand gehabt, sie dann aber schnell wieder unserer Fachkraft überlassen. Die Schüler übernahmen das tägliche Wenden und konnten nach einigen Tagen das duftende Heu ernten, ein Erlebnis, das heute nicht mehr viele Kinder haben. Jeder konnte sich für seine Meerschweinchen und Hasen etwas mit nach Hause nehmen.

Auch bei vielen Projekten gibt es Möglichkeit, den Garten mit zu nutzen. Im November 2007 hatten wir anlässlich des 100. Geburtstags von Astrid Lindgren eine Projektwoche und pflanzten in dieser Zeit die nach ihr benannte Rose in unsere Märchenecke. Bei der Projektwoche 2008 „Miteinander- Füreinander“ gab es natürlich auch wieder Arbeit im Garten und im Werkunterricht wurden schöne Objekte für den Garten in Gemeinschaftsarbeit angefertigt.

Was bietet unser Garten dem Besucher?

 

Über die bereits genannten Anlagen hinaus sind Schwerpunkte im Garten die Stauden und Gehölze aus fünf Erdteilen. Die rund 630 Arten und Sorten verteilen sich auf 20 Pflanzbereiche. Besonders zu erwähnen dabei ist unsere Wildfrüchtesammlung (82 Arten bzw. Sorten) und unsere Rosensammlung (120 Pflanzen in 96 Sorten, Wildrosen, historische Rosen und moderne Rosen).

In diesem Jahr wurde auch ein Ginkgobaum gepflanzt, der uns besonders am Herzen liegt. Er wird auch Baum des Lebens genannt, ihn haben die Schüler zum Gedenken an einen in diesem Jahr verstorbenen Mitschüler gepflanzt.

An der Eingangstüre unserer Schule und in der Homepage wird über die Pflanze des Monats informiert. Hierbei geht es nicht um seltene Exoten, sondern im Monat Juli z.B. um die große Brennnessel, die in unserem Garten vor allem im Bereich der Benjeshecke zu Hause ist. Sie ist nicht nur eine wichtige Futterpflanze für Raupen, sondern auch eine Heilpflanze für Menschen.

 

Literaturangaben

Roswitha Raufuß. Die Rose ist nicht namenlos, 2008

Faltblatt „Stauden und Gehölze aus fünf Erdteilen“